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Aktuelle Meinung: Wulffs Bobby-Car-Affäre
Autor:
Guido Reinking
greinking@craincom.de
Guido Reinking ist seit 2006 Chefredakteur der Automobilwoche. Der Diplom-Politologe und Volkswirt arbeitete zuvor bei „Bild am Sonntag“, „Welt am Sonntag“ und der „Financial Times Deutschland“. Auch sein Hobby hat mit Autos zu tun: Oldtimer.
Mittwoch, 18. Januar 2012, 11.28 Uhr
Vergangenes Jahr hatte die Automobilwoche Bundespräsident Christian Wulff als Eröffnungsredner zum Kongress nach Berlin eingeladen. Dafür hätte er als Dankeschön eine gute Flasche Rotwein bekommen. Sein Glück, dass er aus Termingründen absagen musste. Sonst hätte er jetzt noch mehr Ärger am Hals.
Nun also ein Bobby-Car: Die Affäre Wulff ist im Kinderzimmer angekommen. Wie kleinkariert kann diese Republik eigentlich noch werden? Um es gleich vorweg zu sagen: Ich hielt und halte Christian Wulff nicht für eine gute Wahl als Bundespräsident. Der ehemalige niedersächsische Ministerpräsident ist als VW-Aufsichtsrat dem Vernehmen nach nicht durch ein Übermaß an Sachkenntnis und Engagement aufgefallen. In den beiden großen Krisen, die er im VW-Aufsichtsrat zu bestehen hatte, dem Putschversuch des damaligen VW-Vorstandschefs Bernd Pischetsrieder gegen Aufsichtsratschef Ferdinand Piech und der gescheiterten Übernahme durch Porsche, schlug sich Wulff mal auf die eine, mal auf die andere Seite. Besonderes Rückgrat oder gar eine eigene Meinung konnten die anderen Aufsichtsratsmitglieder bei ihm nicht entdecken.
Doch um die Performance eines Aufsichtsrats oder Politikers geht es hier ja nicht. Es geht um Skandale und Skandälchen. Schade, dass in Deutschland Politiker nicht an ihren Leistungen für das Land, sondern an dem gemessen werden, was sie außerhalb ihres Berufes tun oder sagen. Die jetzt erhobenen Vorwürfe, vom Hauskredit eines Freundes bis hin zum geschenkten Bobby-Car des Audi-Zentrums Berlin, sind für mich ähnlich kleinkarierte Übertreibungen wie die Compliance-Regeln von Daimler. Dort kann man einem Mitarbeiter keine Flasche Wein mehr schicken, ohne dass dieser Angst vor der internen CIA des Unternehmens haben muss, dem Business Practices Office. Das Unternehmen scheint dadurch teilweise wie gelähmt. Das dürfte auch der Politik blühen: Ein schlechtes oder gar kein Verhältnis zu Unternehmern zu haben gehört für Politiker künftig zum medienüberwachten Verhaltenskodex. Wird das Land dadurch besser regiert? Bestimmt nicht.
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