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Aktuelle Meinung: Totgesagte leben länger
Autor:
Stefan Wimmelbücker
swimmelbuecker@craincom.de
Der gelernte Journalist begann seine Karriere beim Fachmagazin Auto Zeitung, wo er sein Interesse an Autos mit dem Spaß am Schreiben verbinden konnte. Seit 2010 arbeitet er als Online-Redakteur für die Automobilwoche.
Sonntag, 08. Januar 2012, 16.42 Uhr
Wer an amerikanische Autos denkt, der denkt meist an altmodische Technik, längst überholte Technik. Als die großen US-Autobauer während der Finanzkrise in Schwierigkeiten gerieten, waren nicht wenige Europäer der Meinung, sie bekämen nun die Quittung für ihre verfehlte Modellpolitik und wären erledigt. Doch der alte Spruch "Totgesagte leben länger" bewahrheitete sich auch hier: Ford kam ganz ohne Staatshilfen aus, General Motors schreibt zwei Jahre nach seiner Insolvenz wieder Milliardengewinne und auch Chrysler ist auf Erfolgskurs.
Inzwischen gibt es zahlreiche Beispiele, dass GM, Ford und Chrysler durchaus moderne Technik einsetzen – oft mit Hilfe aus "Old Europe". Beispiel Getriebe: Chrysler setzt in seinem neuen Topmodell 300 erstmals eine Achtgang-Automatik ein. ZF will seine für 2013 angekündigtes Neungang-Automatik in den USA produzieren, weil dort die Nachfrage am größten ist. Der Dodge Dart, der auf der diesjährigen Detroit Motor Show vorgestellt wird, basiert technisch auf der Alfa Romeo Giulietta. Unter anderem bekommt Dodge auch die beiden Multiair-Motoren mit 1,4 und 2,4 Litern Hubraum. Später sollen auch Sechszylinder mit der variablen Ventilsteuerung ausgestattet werden.
Grund für die Sparbemühungen der Hersteller sind nicht nur die gestiegenen Spritpreise, sondern auch die deutlich höheren Umweltanforderungen: Der CAFE-Standard (Corporate Average Fuel Economy), der festlegt, wie weit ein Fahrzeuge mit einer Gallone (3,79 Liter) Benzin mindestens fahren können muss, ist in den vergangenen Jahren mehrfach überarbeitet und 2011 noch einmal erheblich verschärft worden.
Deshalb bemühen sich auch die beiden anderen großen US-Konzerne um sparsamere Fahrzeuge: General Motors profitiert dabei von seiner deutschen Tochtergesellschaft Opel: Der Insignia wird in den USA nahezu unverändert als Buick Regal verkauft. Das soll allerdings nur der Anfang sein – GM plant, in Zukunft weitere technisch identische Modelle unter verschiedenen Markennamen zu verkaufen. Der Verkauf von Opel scheiterte 2009 nicht zuletzt deshalb, weil GM nicht auf das Entwicklungszentrum und die Kompetenz der Ingenieure in Rüsselsheim verzichten wollte. Mit dem Chevrolet Volt hat GM zudem ein Elektrofahrzeug mit Range Extender im Programm, dass der Konkurrenz weit voraus ist – auch wenn es derzeit durch Brände nach Crashtests ins Gerede gekommen ist.
Ford nutzt ebenfalls die technische Kompetenz seiner deutschen Tochtergesellschaft: Deren moderne EcoBoost-Motoren sollen in Zukunft vermehrt auch in amerikanischen Modellen zum Einsatz kommen. Der Pick-up F-150, seit Jahren das meistverkaufte Fahrzeug in den USA und in Deutschland oft genug Symbol für amerikanische Unvernunft, ist bereits mit einem EcoBoost-Sechszylinder ausgerüstet. Mit einem Verbrauch von umgerechnet rund 15 Litern Super auf 100 Kilometern ist er erheblich sparsamer als die sonst eingesetzten V8-Motoren, bietet mit 370 PS aber immer noch Kraft im Überfluss.
Insgesamt gesehen sind große Motoren, auch mit moderner Technik, jedoch eher auf dem Rückzug: Die Anteil der Vierzylinder an allen verkauften Motoren ist in den letzten Jahren stetig gewachsen und lag 2011 bei etwa 45 Prozent – Anfang 2007 war es gerade einmal die Hälfte. Mitte 2009, zur Zeit der US-Abwrackprämie "Cash for Clunkers", lag er sogar kurzzeitig bei 55 Prozent.
Fazit: Egal, mit welcher Technik sie antreten: Die Amerikaner sollte man nicht vorzeitig abschreiben.



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