Mitten im deutschen Auto-Boom rutscht Opel in die roten Zahlen zurück. Hoffentlich wird dadurch dem Mutterkonzern General Motors endlich bewusst, dass die bisher angewandten Rezepte zur Sanierung der deutschen Traditionsmarke untauglich sind. Bei den Faktorkosten, vor allem an den Personalkosten zu sparen, um ein Unternehmen zu sanieren, das ist ein Rezept aus der Mottenkiste der Betriebswirtschaftslehre.
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Eigentlich ist es eine gute Nachricht, dass Opel mitten im deutschen Auto-Boom in die roten Zahlen zurückrutscht. Denn das macht nun hoffentlich auch in der General Motors-Zentrale jedermann deutlich, dass die bisher angewandten Rezepte zur Sanierung der deutschen Traditionsmarke untauglich sind. Bevor nun der neue Opel-Aufsichtsratsvorsitzende und GM-Vizechef Stephen Girsky über neue Sparpläne, über Werksschließungen und Stellenstreichungen nachdenkt, sollte ihm jemand sagen, wie viele solcher Sparprogramme bei Opel schon umgesetzt wurden – und nicht nachhaltig gewirkt haben. Wie oft muss diese Art von Sanierung eigentlich noch scheitern, bevor bei GM endlich der Groschen fällt? Bei den Faktorkosten, vor allem an den Personalkosten zu sparen, um ein Unternehmen zu sanieren, das ist ein Rezept aus der Mottenkiste der Betriebswirtschaftslehre. Das Erfolgsrezept, mit dem sich die deutsche Automobilindustrie seit Anfang der 90er-Jahre die internationale Wettbewerbsfähigkeit erkämpfte, sieht anders aus: Zunächst wurden die Einkaufspreise optimiert, dann die Arbeitskosten pro Fahrzeug durch zunehmende Produktivität so weit gesenkt, dass in Deutschland auch Volumenmodelle profitabel produziert werden können. Schließlich wurde die Globalisierung durch die Erschließung neuer Märkte und die Verlagerung von Produktion ins Ausland vorangetrieben. Das Ganze wurde begleitet durch hohe Investitionen in neue Produkte. Auch in Krisenzeiten wurde an der Innovationskraft nicht gespart, weder von den erfolgreichen Autoherstellern noch von ihren Zulieferern. Die ersten zwei dieser vier Punkte hat Opel schon früh umgesetzt – wenn nicht sogar mit erfunden: Rüsselsheim und Eisenach arbeiten produktiv, der Einkauf gilt als effektiv. Nur bei den Investitionen in neue Produkte und der Globalisierung in neue Märkte gibt es Nachholbedarf. Die einzige Alternative zu diesem Programm wäre für GM, sich doch von Opel zu trennen. Das ist nicht die schlechteste aller Möglichkeiten: Volvo, Land Rover und Jaguar haben sich nach der Trennung von Ford in chinesischen und indischen Händen recht gut entwickelt. So gesehen wird auch für Opel 2012 das Jahr der Entscheidung werden: Entweder General Motors gibt der Marke die Mittel, sich endlich nachhaltig zu entwickeln, oder die Amerikaner geben Opel frei.
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