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Der Auftritt der neuen Schlüssel-Modelle
VW Up: Der Up zählt zu den Schlüsselmodellen von VW.
(Foto: Volkswagen)
Autor: Jürgen Pander
Samstag, 24. September 2011, 00.03 Uhr
"Zukunft serienmäßig“, das Motto der IAA klingt nach Allgemeinplatz – und trifft doch die Realität der Frankfurter Auto-Show recht genau. Einerseits werden dort, das ist weder neu noch überraschend, zahlreiche Modelle erstmals vorgestellt, die in den kommenden Monaten auf den Markt kommen werden. Wesentlicher ist, dass viele der neuen Autotypen die Zukunft der Hersteller tatsächlich entscheidend prägen werden. Selten zuvor wurden derart viele Schlüssel-Modelle auf einen Schlag präsentiert.

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Frankfurt/Main. Das Motto der IAA, "Zukunft serienmäßig", klingt nach Allgemeinplatz – und trifft doch die Realität der Frankfurter Auto-Show recht genau. Einerseits werden dort, das ist weder neu noch überraschend, zahlreiche Modelle erstmals vorgestellt, die in den kommenden Monaten auf den Markt kommen werden. Wesentlicher ist, dass viele der neuen Autotypen die Zukunft der Hersteller tatsächlich entscheidend prägen werden. Selten zuvor wurden derart viele Schlüssel-Modelle auf einen Schlag präsentiert. Die 64. IAA wird damit zum Fenster mit Blick nicht nur in die Autozukunft, sondern auch auf die Strategie der Unternehmen in den kommenden Jahren. Beispiele gefällig? Der VW Up etwa ist viel mehr als das neue Einstiegsmodell der Marke Volkswagen und auch mehr als ein neuer – mutmaßlicher – Volumenbringer des Wolfsburger Riesen.
Volkswagen positioniert den Up vor allem auch als Antwort auf wesentliche strategische Fragen der Branche. Etwa die, mit welcher Art von Fahrzeugen die Autohersteller auf die zunehmende Verdichtung des Straßenverkehrs in den weltweiten Ballungs- und zugleich Wachstumszentren reagieren sollen. Oder auch auf die Frage, wie der in gesättigten Märkten zunehmenden Autoskepsis vor allem junger Menschen begegnet werden soll. Die Problematik, dass sich die heutige Schüler- und Studentengeneration in Westeuropa und anderen hoch entwickelten Regionen der Welt viel stärker für Smartphones, iPads oder andere moderne Kommunikationsinstrumente interessiert als für den Erwerb eines eigenen Autos, betrifft alle Hersteller, besonders aber diejenigen, die sich als Vollsortimenter und Basisversorger verstehen.
Der Berliner Soziologe und Mobilitätsforscher Andreas Knie formulierte es kürzlich so: Das Auto werde seine Bedeutung als Statussymbol verlieren und sei "kein Mittel mehr zum Angeben". Wie Autos wieder erschwinglich und vor allem attraktiv für die Generation Facebook werden könnten, ist an den Schlüssel-Modellen dieser IAA durchaus erkennbar. VW etwa will den Up mit einem "Portable Infotainment Device" ausstatten, also einem Gerät, das man in die Tasche stecken und mitnehmen kann, das als Navigator, Telefon, Musikanlage dient und im Cockpit des Wagens darüber hinaus als zentrales Bedienelement fungiert. Zudem arbeiten die Wolfsburger an einer Internetpräsenz, in der spezielle Up-Apps – also kleine Zusatzprogramme für das portable Endgerät – angeboten werden.
Damit beispielsweise Facebook- Kontakte auch von unterwegs gepflegt werden können oder stets die nächstgelegene Tankstelle mit dem günstigsten Sprit angesteuert werden kann. VW ist mit solchen Versuchen, das Auto den Mobilitätserfordernissen einer sich rasant wandelnden Gesellschaft anzupassen, nicht allein. Auch Toyota präsentiert ein Schlüssel-Modell in dieser Hinsicht, die dritte Generation des Kleinwagens Yaris. Das neue Modell verfügt ebenfalls über eine Internet-Schnittstelle, soll als Trendauto positioniert werden und vor allem weiter in der Erfolgsspur fahren. Im vergangenen Jahr wurden europaweit knapp 165.000 Exemplare des Yaris verkauft – so viele wie von keinem anderen Toyota-Typ.

Kernkompetenz Hightech
Interessant dürfte es für den japanischen Hersteller im kommenden Jahr werden, wenn der Yaris erstmals auch mit Hybridantrieb angeboten wird. Auch mit Blick auf die technische Zukunft werden diverse Schlüssel-Modelle in Frankfurt gezeigt. Der Carbon- Kleinwagen BMW i3 etwa, ein Auto, das ab 2013 mit Elektroantrieb vorfahren soll. Die Mischung aus Hightech-Leichtbau, Alternativantrieb und neuem Design, so offenbar das Kalkül von BMW, kann auch ein Weg sein, um potenzielle Kunden wieder für den Autokauf zu interessieren. Allein durch immer neue Varianten des prinzipiell gleichen Grundthemas dürfte das jedenfalls kaum gelingen. In einer aktuellen Untersuchung zählte der Automobilwirtschaftler Ferdinand Dudenhöffer auf dem deutschen Pkw-Markt 376 Modellreihen mit insgesamt 1706 Fahrzeug-Varianten.
Es kann also nicht an mangelnder formaler Vielfalt liegen, dass der Automarkt in Europa im Vergleich zu vielen anderen Teilen der Welt schwächelt. Eher am Mangel an grundsätzlichen Alternativen. Der BMW i3 ist eine solche. Konkurrent Audi hat auf der IAA derlei ebenfalls zu bieten. Die Ingolstädter zeigen zwei Studien eines zweisitzigen Stadtautos im Kabinenroller-Look, die man wohl eher als Showeinlage betrachten muss. Sie zeigen aber daneben das Modell A2 Concept. Der Viersitzer mit Elektroantrieb im Stil des glücklosen ersten Audi A2 (gebaut von 1999 bis 2005) wirkt wie eine Replik auf den BMW-Herausforderer i3 und könnte die Schlüsselstellung im Audi-Portfolio einnehmen, die dem konventionellen A1 bisher verwehrt blieb. Dass die automobile Zukunft wohl vor allem in den kleineren Klassen gestaltet wird, wird auch bei Mercedes deutlich. Die Schwaben zeigen auf der IAA erstmals die neue B-Klasse. Das Auto bildet die Vorhut eines Trupps kompakter Fahrzeuge, der im kommenden Jahr durch die neue A-Klasse ergänzt und später durch weitere Karosserievarianten komplettiert wird. Auch die Antriebsvarianten werden zunehmen. Mit der B-Klasse debütiert zunächst ein neuer Vierzylinder- Benziner mit 1,6 Liter Hubraum, der Direkteinspritzung und Turboaufladung kombiniert. Der Rohbau der B-Klasse verfügt jedoch über einen doppelten Boden unter der Rücksitzbank – ein Untergeschoss, in das demnächst ein Akkupaket oder eine Brennstoffzelle einziehen könnte.

Drang zu mehr Premium
Für Opel ist das Schlüssel-Modell dieser IAA der neue Zafira Tourer. Der Siebensitzer ist nicht nur größer als das bisherige Modell, sondern vor allem feiner und üppiger ausgestattet. Das Upgrading soll dabei helfen, so die Hoffnung in Rüsselsheim, das noch immer lädierte Image des Autobauers aufzupolieren. Um die Stammkunden nicht zu verschrecken, wird das bisherige Modell unter dem Namen Zafira Family einfach weitergebaut. Das ist keine schlechte Idee, denn im vergangenen Jahr verkaufte Opel europaweit noch 95.000 Einheiten dieses Typs. Ein Auto ganz anderen Zuschnitts, aber in seiner Bedeutung für den Hersteller wohl kaum zu überschätzen, ist der Porsche 911.
In Frankfurt erlebt die siebte Generation der schwäbischen Sportwagen-Ikone ihr Debüt. Ein Schlüssel-Modell ist der neue Neunelfer, Baureihen-Code 991, mehr denn je. Denn seit Porsche das SUV Cayenne und die Limousine Panamera – beides eher klotzige Autos – im Angebot hat, muss die grundsätzliche Sportlichkeit der Marke mehr denn je betont werden. Kein Modell eignet sich dafür besser als der 911. Die neue Generation des Autos ist etwas länger geworden, ein bisschen stärker und deutlich sparsamer.
Der auf 3,4 Liter Hubraum geschrumpfte Sechszylinder- Boxermotor leistet nun 350 PS und verbraucht im Schnitt 8,2 Liter je 100 Kilometer. Dass der Wagen neben diversen stärkeren Motorisierungen auch einen Hybridantrieb erhält, gilt als wahrscheinlich. Der Platz dafür wurde durch den Längenzuwachs jedenfalls gewonnen. Schlüssel-Modelle – es gibt noch viel mehr davon auf der IAA. Den Fiat Panda zum Beispiel, den Hyundai i30 oder den Honda Civic. Die große Frage wird sein, welche dieser Schlüssel für die Zukunft wirklich passen.
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