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Klartext - Baut ein Denkmal für Rudolf Diesel
Diesel-Motor: Der Selbstzünder-Pkw wird 75 Jahre alt.
(Foto: Bosch)
Autor:
Guido Reinking
greinking@craincom.de
Montag, 21. Februar 2011, 00.03 Uhr
Nicht nur die deutsche, sondern die europäische Autoindustrie sollte Rudolf Diesel ein Denkmal setzen. Denn was die Branche auf dem "alten Kontinent“ dem Selbstzünder verdankt, kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Nichts hat stärker dazu beigetragen, die asiatische Konkurrenz in Europa klein zu halten, keine andere Technologie hat mehr CO2 im Straßenverkehr reduziert als der bauartbedingt sparsame Selbstzünder.

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München. Bei den vielen Branchen- und Firmenjubiläen des Jahres geht eines beinahe unter: Der Diesel- Pkw wird 75 Jahre alt. Dabei sollte nicht nur die deutsche, sondern die europäische Autoindustrie Rudolf Diesel ein Denkmal setzen. Denn was die Branche auf dem "alten Kontinent" dem Selbstzünder verdankt, kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Nichts hat stärker dazu beigetragen, die asiatische Konkurrenz in Europa klein zu halten, keine andere Technologie hat mehr CO2 im Straßenverkehr reduziert als der bauartbedingt sparsame Selbstzünder. Wenn nur die Hälfte der SUVs und Pick-ups in den USA einen Dieselmotor hätte, könnte das Land auf sämtliche Erdölimporte aus Saudi-Arabien verzichten. Dass der Diesel heute gegenüber dem technisch viel aufwendigeren Benzin-Hybrid politisch unter Druck gerät, indem man ihm kaum einzuhaltende Abgasgrenzwerte abverlangt, ist sicher nicht nur der erfolgreichen Lobbyarbeit des Hybrid-Pioniers Toyota geschuldet. Es herrscht in der Politik offenbar schlicht Unwissen darüber, was der Autostandort Europa dem Diesel alles verdankt.

Die Konkurrenz vor allem zwischen Diesel- Pionier Bosch, Magneti Marelli, Continental und Delphi um die beste Diesel-Einspritztechnik hat das Technologieniveau in ungeahnte Höhen getrieben. Und es geht weiter: Bosch will den Verbrauch des Diesel-Pkw nochmals um 20 bis 30 Prozent senken – bei gleicher Leistung. Lange sahen es die japanischen und zunächst auch die südkoreanischen Autobauer nicht ein, Hunderte Millionen in moderne Dieselmotoren zu investieren, wo dieser Antrieb doch auf ihrem wichtigsten Markt USA gar keine Rolle spielt. Parallel zum Wachstum des Diesel-Anteils in Westeuropa von zunächst knapp über 30 auf über 50 Prozent im vergangenen Jahrzehnt kam der Niedergang der japanischen Autobauer.

Daran konnte auch der Hybrid-Hype wenig ändern, der sich sowieso größtenteils in den Medien und weniger in den Autohäusern abgespielt hat. Wer in Europa ohne modernen Diesel antritt, möglichst mit Automatik, der fällt bei der Hälfte der Kunden durchs Raster. Das werden auch die Chinesen noch merken, sollten sie eines Tages ernsthaft versuchen, in Europa Fuß zu fassen. Die wollen zwar gleich mit dem Elektroauto kommen, aber ob der Kunde dafür empfänglicher ist als für den Hybrid?
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