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Klartext - Diese Branche ist im Blindflug
Bosch: Statt der noch Anfang 2010 erwarteten "schwarzen Null“ wurde ein Milliardengewinn erwirtschaftet.
(Foto: Bosch)
Autor:
Guido Reinking
greinking@craincom.de
Montag, 07. Februar 2011, 00.03 Uhr
Trotz der meist düsteren Prognosen zu Beginn des Jahres 2010 haben viele Hersteller und Zulieferer mittlerweile Luxusprobleme. Reifenhändler Goodyear Dunlop etwa kann die Pneus gar nicht so schnell backen, wie sie von Autoherstellern und vom Reifenhandel bestellt werden. Was daran beängstigend ist? Offenbar ist in dieser Branche kaum noch etwas planbar, schon gar kein Geschäftsjahr.

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München. Was in den vergangenen Wochen von Autoherstellern und Zulieferern zu hören war, ist beängstigend – auch wenn es auf den ersten Blick durchaus erfreuliche Nachrichten waren. So konnte Bosch für 2010 mit seinen vorläufigen Geschäftszahlen für das vergangene Jahr ein Rekordergebnis melden. Statt der noch Anfang 2010 erwarteten "schwarzen Null" wurde ein Milliardengewinn erwirtschaftet, statt vier Prozent der Mitarbeiter, die weltweit das Unternehmen eigentlich verlassen sollten, wurden fast fünf Prozent mehr beschäftigt. Ein ähnliches Bild bei ZF. Vor einem Jahr hätten ihm die Kunden noch ein tiefschwarzes Konjunkturbild gemalt, sagte Vorstandschef Holger Härter kürzlich, und nun wisse er kaum noch, wo er die ganzen Teile und Komponenten hernehmen soll, die von den OEMs für 2011 bestellt würden. Auch die Reifenbranche steckt in der Zwickmühle: Marktführer Goodyear Dunlop sieht sich ebenfalls dem Luxusproblem gegenüber, die Pneus gar nicht so schnell backen zu können, wie sie von Autoherstellern und vom Reifenhandel bestellt werden.

Was daran beängstigend ist? Offenbar ist in dieser Branche kaum noch etwas planbar, schon gar kein Geschäftsjahr. In den vergangenen Wochen haben viele Autohändler mit ihren Marken die Planziele für 2011 festgelegt. Man fragt sich dabei, auf welcher Basis diese Prognosen wohl errechnet wurden. Nun kam man schon in den vergangenen Jahren stets auf 120 oder 130 Prozent, wenn man die Marktanteilsziele der Autohersteller in Deutschland zusammenrechnete. Doch es war zumindest immer ziemlich klar, mit welchem Volumen man bei 100 Prozent zu rechnen hatte.

Während man sich in Deutschland dabei noch recht gut auf die drei Millionen Autos verlassen kann, die hier pro Jahr verkauft werden – alles darüber sind sowieso "produzierte Gebrauchtwagen" –, wird die Prognose richtig schwer, wenn es um die großen Exportmärkte in Westeuropa, Nordamerika und vor allem in Asien geht. Ist der überschwängliche Optimismus der Amerikaner wirklich gerechtfertigt, trotz besorgniserregender Arbeitslosigkeit und Verschuldung? Kann der Automarkt in China weiter so stark wachsen, ohne dass schlichtweg der Platz auf den Straßen ausgeht? Würgt Großbritannien mit dem Sparkurs die Konjunktur ab? Wie geht es mit dem Euro weiter? – Hat mal jemand eine Kristallkugel?
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