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Klartext - BMW und die Buddenbrooks
BMW: Vor 50 Jahren von Herbert Quandt gerettet.
(Foto: BMW)
Autor:
Guido Reinking
greinking@craincom.de
Montag, 29. November 2010, 00.03 Uhr
Seit 50 Jahren ist die Ehe zwischen der preußischen Unternehmerdynastie Quandt und den Bayerischen Motoren Werken eine Erfolgsgeschichte mit wenigen Krisen. 50 Jahre, das sind zwei Generationen. Man muss nicht die Buddenbrooks gelesen haben, um zu wissen, dass Familienunternehmen durchaus eine gefährdete Spezies sind.

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München. Vor 50 Jahren hat Herbert Quandt die Mehrheit von BMW übernommen und das Unternehmen damit vom Abgrund weggezogen. Bisher ist die Ehe zwischen der preußischen Unternehmerdynastie und den Bayerischen Motoren Werken eine Erfolgsgeschichte mit wenigen Krisen. 50 Jahre, das sind zwei Generationen. Man muss nicht die Buddenbrooks gelesen haben, um zu wissen, dass Familienunternehmen durchaus eine gefährdete Spezies sind. Was die erste Generation aufgebaut und die zweite konserviert hat, wird in der dritten Generation oft verspielt. Sind also familiendominierte Unternehmen, zu denen seit Kurzem im weitesten Sinne auch der Volkswagen- Konzern gehört, gefährdeter als andere? Wohl kaum.

Das Gegenteil ist der Fall, wie die Beispiele BMW, Ford oder Peugeot zeigen. Denn wir reden hier über Generationen, also über Zeiträume von Jahrzehnten. Dagegen sind bei Aktiengesellschaften im Streubesitz die Inhaber oft nur einen Mausklick vom Ausstieg aus dem Unternehmen entfernt. Ist es Zufall, dass der US-Autobauer Ford, der noch immer von der Gründerfamilie kontrolliert wird, die Autokrise in Nordamerika viel besser überstanden hat als General Motors oder Chrysler? Letztere waren finanzmarktgetrieben und somit über Jahre gezwungen, von Quartal zu Quartal bessere Ergebnisse auszuweisen.

Wie einfach das in der Autoindustrie geht, weiß jedes Kind: Man streiche die Entwicklungsbudgets zusammen und schiebe dem Handel die Überproduktion auf den Hof, schon glänzt die Bilanz. Aber was dort glänzt, ist wenig haltbar. Denn schon nach wenigen Jahren lässt sich mit der vernachlässigten Modellpalette und den strauchelnden Händlern kein Geld mehr verdienen. Das war einer der Gründe für die Insolvenz von GM, den Niedergang der deutschen Tochter Opel und so manch anderen Krisenfall in der Autobranche. Nun tauscht GM den Großaktionär Staat gegen die Gier an der Wall Street. Dort aber will man schnellen Erfolg (siehe Kommentar unten). BMW hingegen bleibt von einer Familie dominiert. Damit kann der Hersteller auch in Technologien und Konzepte wie das Carbon-Auto Megacity Vehicle investieren, die heute viel Geld kosten, erst übermorgen Gewinn versprechen und dennoch die Zukunft eines Unternehmens sichern können. Erklären Sie das mal der Wall Street.
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