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Klartext - Das unerwartete Erfolgsmodell
Pkw-Produktion: Auch deutsche Premiumhersteller profitieren von der Abwrackprämie.
Autor:
Guido Reinking
greinking@craincom.de
Montag, 09. Februar 2009, 01.01 Uhr
Als die Pläne zur Abwrackprämie bekannt wurden glaubte kaum einer, dass die kurzarbeitenden VW-, Opel-, BMW- und Mercedes-Werker im Lande davon profitieren könnten. Nun kommen die Kunden aber in Scharen – selbst zu BMW-, Audi- und Mercedes-Händlern.

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München. Nach dem ersten Blick auf die Pläne der Bundesregierung zur Abwrack- oder Umweltprämie musste einem eigentlich klar sein: Das wird den kurzarbeitenden VW-, Opel-, BMW- und Mercedes-Werkern im Lande bestimmt nicht helfen. Da dürften wohl eher Fiat, Hyundai und Citroën profitieren. Welcher Besitzer eines mehr als neun Jahre alten Autos kauft sich schon einen neuen BMW, nur weil der Staat mit 2500 Euro Umweltprämie lockt? Auch ich habe mich da geirrt. Die Kunden kommen in Scharen - selbst zu BMW-, Audi- und Mercedes-Händlern. Ökonomie ist eben doch vor allem Psychologie und erst in zweiter Linie Mathematik.

Zudem sollte man nicht die Kreativität vieler Autohändler unterschätzen: "2500 Euro vom Staat, 1500 Euro von uns, 199 Euro im Monat vom Kunden, schon gibt es den BMW Einser", so hat sich etwa Burkhard Weller sein eigenes Konjunkturprogramm hingebogen. Es kommt ohnehin kein Kunde mehr mit einem Bündel Geldscheine in der Tasche zum Händler. Selbst bei den Privatkunden ist über die Hälfte des Neuwagengeschäfts finanziert. Also baut der Handel um Umweltprämie, Hersteller- und Händlerrabatte herum eine intelligente, optisch billige Finanzierung mit niedriger Monatsrate. Auch VW versucht für den neuen Golf Kunden zu gewinnen, indem das Unternehmen die Umweltprämie aus eigener Tasche glatt verdoppelt. Ein Hamburger VW-Händler ließ sein Autohaus sogar bis 22 Uhr geöffnet, weil sich der Käuferansturm sonst nicht bewältigen ließ. Schon fürchten ADAC und ZDK, die von der Bundesregierung ausgelobten 1,5 Milliarden Euro könnten nicht ausreichen und mahnen einen größeren Fördertopf an.

Und Sparminister Steinbrück weigert sich tatsächlich, Geld nachzuschießen, sollten mehr als 600.000 Neu- und Jahreswagenkäufer das Angebot der Umweltprämie annehmen. Dabei finanziert sich die Prämie doch selbst: Wenn man den durchschnittlichen Preis des Neuwagens, der durch die Umweltprämie verkauft wird, mit 15.000 Euro beziffert, so fallen pro Fahrzeug rund 3000 Euro Mehrwertsteuer an. Und davon gibt der Staat dann - mit gönnerhafter Geste - 2500 Euro an den Käufer zurück. Die Umweltprämie ist also nichts anders als eine Steuersenkung, die sich dazu noch selbst finanziert. Denn wie groß der Mitnahmeeffekt auch immer sein mag: Die überwiegende Zahl der Neu- und Jahreswagen wäre ohne die Prämie nicht verkauft worden - eben weil die Besitzer mindestens neun Jahre alter Autos keine typischen Neuwagenkunden sind.
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