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"Es fehlt an Mut"
Lutz Fügener,43, studierte Maschinenbau und Industrial Design. Seit Herbst 2000 leitet
der Professor den renommierten Bachelor-Studiengang Transportation Design an der
Hochschule Pforzheim.
Montag, 25. Februar 2008, 00.03 Uhr
Professor Lutz Fügener über Designtrends auf dem Genfer Salon.
Prognose zur Entwicklung des weltweiten Markts für Fahrzeugvernetzung in den Jahren 2013 bis 2020 in Milliarden Euro
Pforzheim. Unter Automobil-Designern genießt der Genfer Salon einen besonderen Stellenwert. Das liegt an der Vielzahl kleinerer Designfirmen, die hier präsent sind, und am speziellen Charme der überschaubaren Ausstellung. Wir sprachen mit Lutz Fügener, Professor für Transportation Design an der Hochschule Pforzheim, über die Design-Überraschungen des diesjährigen Salons, über aktuelle Trends und die Funktion von Konzeptautos. Herr Fügener, der Genfer Autosalon gilt als die Designmesse der Branche. Ist diese Einschätzung eigentlich gerechtfertigt?
Durchaus, der Genfer Salon ist zum Thema Autodesign die wichtigste Messe in Europa. Das liegt einmal daran, dass die Veranstaltung sehr kompakt ist und damit die Dichte an Innovationen so hoch wie nirgendwo sonst. Zweitens spielt meines Erachtens auch eine Rolle, dass der Salon in der Schweiz stattfindet, einem Land ohne große Autohersteller und somit auf neutralem Boden. Das macht es auch für kleinere Unternehmen leichter, sich neben den Branchenriesen gut in Szene zu setzen. In Genf gibt es stets besonders viele Studien zu sehen. Wie lassen sich die relevanten Konzepte von den eher belanglosen unterscheiden?
Zunächst einmal ist diese Vielfalt sehr erfreulich. Allerdings ist es auch so, dass der Begriff Konzeptauto extrem strapaziert wird. Da gibt es zum Beispiel jene Modelle, von denen jeder weiß, dass es sich tatsächlich um fertige Serienautos handelt. Dass diese Modelle dennoch als Konzepte oder Visionen vorgestellt werden, ist eigentlich Unsinn. Es gibt aber auch Studien, die überraschen und etwas ganz Neues zeigen.
Die gibt es natürlich auch, und das sind die wirklich inspirierenden Konzepte. Da gibt es zum einen strategisch positionierte Modelle, die das Publikum auf ein neues Detail oder eine neue Designsprache vorbereiten sollen. Audi hat das vor Jahren exemplarisch mit dem Single-Frame-Kühlergrill durchexerziert, Mazda verfolgt derzeit eine ähnliche Strategie. Und es gibt die wirklichen Visionen, die sehr abgehoben wirken und die vor allem die Innovationskraft eines Unternehmens demonstrieren sollen. Welche Trends werden wir beim diesjährigen Salon zu sehen bekommen?
Zum Beispiel Seitenansichten, die bei zahlreichen Marken und Modellen nach dem gleichen Schema gestaltet sind, nämlich mit einer ansteigenden Linie vom vorderen Radhaus nach hinten oben. Außerdem eine plastische Ausformung oberhalb des Schwellers. Diese Mode nimmt derzeit überhand, was ich bedaure. Denn klare, saubere Volumen, wie sie etwa prototypisch beim VW Caddy zu sehen sind, gibt es kaum noch. Stattdessen verschwindet die klassisch-klare Seitenansicht hinter Reflexen und dreidimensionaler Grafik. Extrem betont wird von den Autoherstellern auch die Frontpartie. Ist das nicht auch manchmal zu viel des Guten?
Bei den Vorderansichten ist es so, dass ein einheitliches Markengesicht immer wichtiger wird - was ich aus gestalterischer Sicht sehr schade finde. Weil die Optik von Scheinwerfern und Kühlergrill nur wenig Variation erlaubt, toben sich die Designer an den Frontschürzen aus, die deshalb leider oft ziemlich gebastelt und übertrieben ausgeformt wirken. Wo sehen Sie denn frisches, gelungenes Design bei den Genf-Premieren?
Ich finde den Ford Fiesta sehr gelungen und freue mich, dass das Exterieur der Studie, die auf der IAA stand, weitgehend erhalten wurde. Auch die Studie des künftigen Opel Meriva zeigt, was man bisher so zu sehen bekommen hat, interessante Ansätze, ebenso der Nissan GT-R. Und gespannt bin ich natürlich auf den VW Scirocco. Oft hat man den Eindruck, dass das Autodesign der technischen Entwicklung hinterherhinkt. Woran liegt das?
Es stimmt, dass in den vergangenen Jahren wirklich innovatives Design immer seltener wurde. Was paradoxerweise daran liegt, dass der Stellenwert des Designs insgesamt in der Branche gestiegen ist. Weil aber inzwischen alle Automobil-Vorstände wissen, dass der Verkaufserfolg auch der tollsten und zuverlässigsten Technik durch ein falsches Design zerstört werden kann, agieren sie vorsichtig und treffen selten eine Entscheidung zugunsten einer aufregenden Form. Es fehlt an Mut. Das sind ja eher triste Aussichten. Wird das jetzt immer so weitergehen?
Die Vorsicht der Hersteller ist ja durchaus verständlich. Aber natürlich bleibt Design nicht stehen, sondern wird sich weiterentwickeln. Sobald ein Premiumhersteller den Mut findet, etwas gestalterisch Neues außuprobieren, wird Bewegung in die Szene kommen. Denn auf die Premiumhersteller wird geschaut - und was funktioniert, wird dann nachgemacht. Welche Messestände sollte der Salon-Besucher auf keinen Fall verpassen?
Da die Ausstellung so übersichtlich ist, sollte man am besten überall vorbeischauen. Aber den größten Design-Diskussionsstoff gibt es ganz sicher bei den kleineren Firmen.
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