Donnerstag, 23. Februar 2012 - Startseite / Zoom in Zoom out Print

Porsche geht bei Hybrid-Antrieb in die Offensive

Hybrid im Kofferraum: Porsche geht in die Offensive.

Der Stuttgarter Sportwagenhersteller Porsche will bis zum Ende des Jahrzehnts den Geländewagen Cayenne mit einem Hybridantrieb ausstatten. Dabei setzen die Entwicklungspartner Porsche, Audi und Volkswagen auf den weltweit bisher einzigartigen Parallelhybrid, der trotz geringerer Kosten, leistungsstärker und verbrauchsärmer als bestehende Konzepte sein soll.

Dienstag, 24. Juli 2007, 08.56 Uhr

Stuttgart/Weissach. In spätestens zweieinhalb Jahren will Porsche sowohl im Geländewagen Cayenne als auch im viertürigen Coupe Panamera einen Hybridantrieb anbieten. “Wir sind davon überzeugt, dass die Sensibilität der Käufer hinsichtlich der Umweltverträglichkeit ihrer Fahrzeuge künftig erheblich zunehmen und sich ihr Kaufverhalten entsprechend verändert wird”, begründete Hybridprojektleiter Michael Leiters am Montag im Porsche-Entwicklungszentrum Weissach. Gerade ein Premiumhersteller wie Porsche müsse wettbewerbsfähige Antriebslösungen mit niedrigen Verbrauchs- und Emissionswerten anbieten, da sonst die soziale Akzeptanz auch einer starken Marke wie Porsche zu bröckeln beginne, was über kurz oder lang mit dem Verlust von Marktanteilen verbunden wäre.

Mit dem neuen Hybridantrieb reagiert der Sportwagenhersteller allerdings nicht nur auf die weltweite Klimadiskussion, sondern attackiert auch den Technologieführer Toyota. Während bisher alle Anbieter auf den so genannten leistungsverzweigten Hybrid-Antrieb setzen, geht Porsche gemeinsam mit den Kooperationspartnern Volkswagen und Audi sowie dem Zulieferer Bosch einen anderen Weg: Beim Parallel-Hybrid wird der zweite Elektromotor, der beim leistungsverzweigten Hybridantrieb das Fahrzeug antreibt, eingespart. Stattdessen sorgt eine automatisierte Trennkupplung zwischen Verbrennungs- und Elektromotor für die Kraftübertragung. Das besondere daran: Die Umschaltung vom rein elektrischen Fahren auf den Verbrennungsmotor erfolgt völlig ruckfrei. Dieses Problem wird bei leistungsverzweigten Hybriden umgangen.

Als Vollhybrid erlaubt die Porsche-Lösung wie bei Toyota und anderen Anbietern auch neben dem rein elektrischen Fahren, die Rückgewinnung von Energie beim Bremsen (Rekuperation) sowie die Unterstützung des Verbrennungsmotors durch den Elektromotor (Boosten). Ein wesentlicher Vorteil des Parallel-Hybrids ist laut Leiters der noch geringere Kraftstoffverbrauch: “Wir erzielen damit bei Überland- und Autobahnfahrten höhere Einsparungen als mit anderen Hybridkonzepten. Bis zu einer Geschwindigkeit von 120 km/h könne Porsche auf den Verbrennungsmotor verzichten und “segeln” – wie im Fachjargon der Motorenentwickler das freie Rollen heißt.

Markenübergreifendes, einheitliches System

"Cutaway" des Porsche-Hybridantriebs.

Laut Porsche verbraucht der rund 2,4 Tonnen schwere Cayenne-Hybrid 9,8 Liter auf 100 Kilometer im neuen europäischen Fahrzyklus (NEFZ) und emittiert dabei 240 g Kohlendioxid pro Kilometer. Das sind rund 23% weniger als das mit einem V6-Motor ausgerüstete aktuelle Modell, das 150 Kilogramm leichter ist. “Unser Ziel ist es, einen Verbrauch von 8,9 Liter zu erreichen”, so Leiters. Dies würde dann 216 g Kohlendioxid pro Kilometer entsprechen.

Vorteile bietet das parallele Antriebskonzept auch bei den Entwicklungs- und Herstellungskosten: Das markenübergreifende, einheitliche System kann in die heutige VW-Plattform eingebaut werden, auf der sowohl der Cayenne als auch der Touareg von Volkswagen und der Q7 von Audi basieren. Als Verbrennungsmotor dient das herkömmliche V6-Aggregat der Wolfsburger. Auch die so gennanten Nebenaggregate wie beispielsweise die elektrifizierte Lenk- bzw Bremskraftunterstützung kommen aus dem gleichen standardisierten Baukasten.

Entsprechend höherer Preis

Um wie viel ein Hybrid-Cayenne teurer als ein herkömmliches Modell ist, und zu welchem Preis das Fahrzeug angeboten werden soll, wollte der Sportwagenhersteller noch nicht sagen.

Als Energiespeicher dient derzeit noch eine Nickel-Metallhydrid-Batterie von Sanyo, die Porsche in der Reserveradmulde untergebracht hat. Mittelfristig soll die technisch bessere, aber noch nicht standfeste Lithium-Ionen-Batterie serienreif entwickelt werden. Dort dürfte laut Porsche noch das größte Einsparpotenzial bei den Kosten für den Hybridantrieb liegen.

Um wie viel ein Hybrid-Cayenne teurer als ein herkömmliches Modell ist, und zu welchem Preis das Fahrzeug angeboten werden soll, wollte der Sportwagenhersteller noch nicht sagen. “Wir glauben, dass wir noch deutlich verbesserte Kostenstrukturen erreichen können. Letztlich hängt das auch von den zu verkaufenden Stückzahlen ab”, so Leiters. Auch das genaue Absatzpotenzial wollte er zum jetzigen Zeitpunkt nicht beziffern. Unabhängige Studien schätzen den Marktanteil des Hybridantriebs auf 5 bis 15 Prozent. “Man kann damit rechnen, dass sich innerhalb dieser Größenordnung diese Fahrzeuge verkaufen lassen”, so der Porsche-Hybridverantwortliche. Da es sich bei diesem Antrieb um eine "High-Tech-Lösung" handelt, hofft Porsche, auch einen entsprechend höheren Preis vom Kunden verlangen zu können.

Artikel zum Thema:


Hybrid-Option für alle künftigen VW-Modelle

Frankfurt/Main. Neben Mercedes-Benz setzt nun auch Volkswagen bei der Konzeption neuer Pkw-Typen von vornherein auf eine Kombination von Verbrennungs- und Elektromotor. "Künftige VW-Modelle werden grundsätzlich auch für Hybrid-Konzepte ausgelegt",...


Zwischen Porsche und VW kracht es

Das Aktiengesetz ist an dieser Stelle eindeutig: "Der Aufsichtsrat hat die Geschäftsführung zu überwachen", heißt es dort. Er führt also nicht die Geschäfte, sondern wacht darüber. Für die Volkswagen AG hingegen galten stets andere Gesetze. Hier war...


Porsche lädt zur Light-Show in eine Arena

Frankfurt/Main. "Porsche verwendet auf der IAA erstmalig das neue Corporate Design, das auch die Handelsbetriebe erfolgreich und unverwechselbar umsetzen", sagt Andreas Henke, Leiter Marketing Services beim schwäbischen Sportwagenbauer. Das Motto...


Bewegung beim Thema Hybrid

Stuttgart. Porsche fürchtet angesichts der Klimadiskussion um die soziale Akzeptanz seiner Fahrzeuge und will deshalb "bis spätestens Ende 2010" ein Hybrid-Fahrzeug auf den Markt bringen. "Sollte der Antrieb schon vorher serienreif sein, ist auch...


Verwirrspiel um Hybrid-Einführung

Wann kommt denn nun der Hybrid-Antrieb von Volkswagen, Audi und Porsche? Obwohl die drei Partner zusammen mit Zulieferer Bosch das exakt baugleiche System entwickeln, gehen die Ankündigungen von VW-Lenker Martin Winterkorn und Porsche-Chef Wendelin...


Porsche verkauft in Nordamerika im Geschäftsjahr weniger

Porsche hat auf dem nordamerikanischen Markt im zum 31. Juli beendeten Geschäftsjahr mit 35.398 Kundenauslieferungen etwas weniger verkauft als im Vorjahr (36.669). Als Grund für den leichten Rückgang nennt das Unternehmen den Modellwechsel bei der...


Porsche steht bei Studenten hoch im Kurs

Porsche zählt einer europaweiten Umfrage zufolge zu den begehrtesten Arbeitgebern in Europa. Von den Autoherstellern schafften es zudem auch BMW, Ferrari und Audi unter die Top 15. Die Umfrage lief unter 16.500 Studenten in 16 Ländern.


Wolfgang Porsche verteidigt Einstieg bei VW

Wolfgang Porsche, Aufsichtsratsvorsitzender der Porsche-Holding, hat den Einstieg von Porsche bei VW als "sinnvolle Investition" bezeichnet. Porsche habe einen Partner gebraucht, mit dem etwa die Entwicklungskosten geteilt werden können, sagte...


Presse: Porsche mit mehr als drei Milliarden Euro Gewinn

Porsche wird im Geschäftsjahr 2006/2007, das am 31. Juli endet, einen neuen Rekordgewinn von über drei Milliarden Euro einfahren. Das berichtet ein Nachrichtenmagazin. Der Umsatz soll dem Bericht zufolge bei über sieben Milliarden Euro liegen.



"Klimaschwein" Porsche weist Greenpeace-Kritik zurück

Porsche hat eine Greenpeace-Demonstration (Motto: "Klimaschweine") vor seinem Stammwerk in Zuffenhausen genutzt, um die Umweltorganisation über das eigene Umweltengagement aufzuklären. Porsche informierte dabei mit größflächigen Plakaten.


Porsche arbeitet an Direkteinspritzung für Sportwagen

Der Sportwagenhersteller will auch den Spritverbrauch der Mittelmotor-Sportcoupes und des 911er senken, nachdem er bereits beim Geländewagen Cayenne mit neuen Motoren und der geplanten Hybridversion auf die Klimadiskussion reagiert hat.


VW-Werke in Zwickau und Chemnitz voll ausgelastet

Die Volkswagen-Werke in Zwickau/ Mosel und Chemnitz sind voll ausgelastet, sagte ein Unternehmenssprecher gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. In Zwickau laufen täglich 1212 Autos vom Band, in Chemnitz 3500 Motoren.


Porsche sucht 100 Auszubildende

Porsche hat 100 Lehrstellen ab September 2008 zu besetzen. Der Autobauer ist besonders an jungen Menschen interessiert, die Industriemechaniker oder Fahrzeugmechatroniker werden wollen. Dabei will Porsche die Frauenquote erhöhen.


Porsche bringt im November den Top-Elfer GT2

Auf der IAA in Frankfurt wird Porsche im September das Topmodell der Baureihe 911, die Version GT2, präsentieren. Die wichtigsten Daten des ab November erhältlichen Sportwagens hatte Automobilwoche der Leserschaft bereits vor zwei Monaten...


Porsche kauft Dürr-Gelände in Stuttgart

Porsche kann sich in Stuttgart weiter ausbreiten. Der Autobauer hat das Areal der Dürr AG am Standort Zuffenhausen erworben. Eine entsprechende Vereinbarung haben Vertreter von Dürr und Porsche unterschrieben, teilte Porsche am Freitag mit.



Porsche: Dieses Jahr nochmal deutlich mehr Gewinn

Porsche fährt weiter auf Rekordkurs und dürfte seinen Rekordgewinn von 2,1 Milliarden Euro des vergangenen Geschäftsjahres im laufenden Geschäftsjahr (Ende 31. Juli) noch einmal übertreffen, sagte Unternehmenschef Wendelin Wiedeking am Dienstag.


Aktuelle Ausgabe

Automobilwoche Konferenz

10-Jahre-Wissenstest

Spezial Sicherheit

10 Jahre Automobilwoche