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Leder und "Ökoharz": Autoindustrie setzt auf neue Materialien
Citroen C-Cactus auf der IAA: Bodenverkleidung aus recyceltem Leder. (Foto: Tom Freiwah)
Frankfurt/Main. Normalerweise besteht ein Auto vor allem aus verschiedenen Stählen, Kunststoffen und Glas. Inzwischen nehmen die Automobilhersteller aber immer neue Materialien in ihren Baukasten auf, um ihre Modelle umweltverträglicher zu machen und ihnen ein außergewöhnliches Design zu verleihen. Mit einer Reihe von Designstudien und Forschungsfahrzeugen haben Hersteller erst kürzlich auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt gezeigt, wo bei der Materialwahl künftig die Reise hingehen könnte.
Ein Beispiel hierfür ist der Citroën C-Cactus. Um Gewicht und Kosten einzusparen und die Umwelt bereits bei der Produktion zu entlasten, haben die Franzosen für ihre Hybrid-Studie im Format des Citroën C4 nach eigenen Angaben viele neue und biologisch abbaubare Materialien ausgewählt. "Die Bodenverkleidung besteht aus recyceltem Leder, für das Lederreste verwendet wurden, die von gewöhnlichen Gerbereien nicht genutzt werden können", sagt Firmensprecher Thomas Albrecht. Während für die Sitze eine Art Hartschaum verwendet wurde, seien viele andere Bauteile aus Kork. Der Filz für die Türverkleidungen oder die Ablagen im Armaturenbrett sei aus chemisch unbehandelter Wolle und lasse sich ebenfalls recyceln.
Auf natürliche Baustoffe setzt auch Fiat beim Panda Aria. Die Kleinwagenstudie ist nicht nur grün lackiert, sie ist laut Sprecher Thomas Kern auch mit Sitzbezügen aus Leinen, Kokos und Baumwolle ausgestattet. Die Außenpaneele bestehen den Angaben zufolge aus "Ökoharz", das mit umweltschonenden Lacken behandelt wurde. Teile des Autos könnten am Ende ihrer Lebenszeit deshalb auf dem Kompost statt auf dem Schrottplatz entsorgt werden.
Das gilt künftig wohl auch für die Sitzbezüge von Mazda. Die Japaner haben nach Angaben der Firmenzentrale in Hiroshima die weltweit ersten Textilien für Serienwagen entwickelt, die zu 100 Prozent aus Pflanzenfasern bestehen und keinerlei öl-basierte Kunststoffe mehr enthalten. Sie gerieten zudem nicht so schnell in Brand, teilt das Unternehmen mit. Zuerst sollen die Bezüge in einem mit Wasserstoff angetriebenen Van zum Einsatz kommen, der im Oktober auf der Motor Show in Tokio vorgestellt wird.
Nicht nur Großserienhersteller denken nach
Oberflächen im Auto müssen aber nicht nur ökologisch einwandfrei sein, sondern vor allem edel aussehen. "Schließlich trägt eine ansprechende Optik maßgeblich zum Wohlbefinden im Fahrzeuginnenraum bei", sagt Astrid Schafmeister vom Zulieferer Johnson Controls in Burscheid. Auf der IAA hat das Unternehmen zwei neue Verfahren vorgestellt, mit denen Wagen veredelt werden können. Dafür werden die Bauteile laut Schafmeister mit einem speziellen Folienverbund überzogen oder besonders aufwändig und zum Teil in mehreren Farben lackiert. Die Designer von Johnson Controls setzten vor allem auf Kontraste zwischen hell und dunkel oder matt und glänzend. Das unterstütze den "Cocoon"-Effekt: "So fühlt sich der Fahrer vor dem Chaos und dem Trubel des Stadtlebens geschützt", sagt Schafmeister.
Kia macht beim Kee derweil vor, wie ein Wagen schon im Stand einen sportlichen Eindruck erzeugen kann. Sie haben den gesamten Innenraum mit einer seidenartigen Microfaser ausgeschlagen, die sich ein wenig anfühlt wie Leder. "Und die Sitze sind mit einem metallischen Netzgewebe überzogen", sagt Designerin Salome Etienne.
Aber nicht nur Großserienhersteller wie Fiat, Citroën oder Kia denken offenbar über neue Materialien nach. Selbst eine Sportwagen-Manufaktur wie Bugatti geht gelegentlich neue Wege. Das beweist die vom Veyron abgeleitete Sonderserie "Pur Sang": Sie sei auf Wunsch eines zahlungskräftigen Kunden besonders puristisch ausgelegt worden, sagt Markenvorstand Franz-Josef Paefgen. Deshalb haben die Designer außen kurzerhand auf alle Lacke verzichtet.
Nun trägt die Grundstruktur der Karosserie das matte Schwarz ihrer Karbon-Fasern und alle Anbauteile glänzen aluminiumfarben. Der Umweltgedanke lag hierbei dem Verzicht auf bunte Chemie wohl kaum zugrunde - dennoch kam das Konzept offenbar an: Nur 24 Stunden nach der Präsentation des puristischen Supersportlers im Umfeld der IAA waren alle fünf Exemplare Unternehmenskreisen zufolge bereits verkauft - zum Stückpreis von 1,4 Millionen Euro plus Steuern. (dpa/gem)
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