SUVs trotzen der Klimadebatte

Der Klimadebatte zum Trotz erfreuen sich Sports Utility Vehicles (SUV) weiterhin steigender Beliebtheit. Es gibt kaum noch Hersteller, die keine "Geländewagen" anbieten. Die Trends und die Pläne der Hersteller im Überblick.

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VW Tiguan: Hoffnungsträger von VW.


Frankfurt. Wenn es etwas gibt, das die vergangene Autosaison geprägt hat, war es die CO2-Debatte. Doch wer denkt, dass Autokäufer nun ausschließlich nach kleinen Fahrzeugen mit sparsamen Motörchen verlangen, irrt. Denn in den Verkaufsräumen beherrscht ein anderer Begriff die Szene: Dort dreht sich alles um das Kürzel SUV. Dass die Sports Utility Vehicle mit ihren oft üppigen Abmessungen der große Fahrzeugtrend sind, zeigen auch die Neuvorstellungen auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA, 13. Bis 23. September) in Frankfurt. Eine neue Entwicklung hat die Umweltdiskussion allerdings doch hervorgebracht: Statt riesiger Oberklasse-SUVs stehen nun zunehmend eher kompakte Konstruktionen im Rampenlicht.

"SUV ist in den kommenden Jahren der ganz große Trend - das wird mit oder ohne CO2-Debatte weitergehen", erklärt Automobilforscher Prof. Ferdinand Dudenhöffer vom Prognoseinstitut B&D Forecast in Leverkusen. Gemeint sind dabei vor allem die kompakten und kleinen Varianten, die zunehmend das Feld beherrschen. "Der Markt für Kompakt-SUV entwickelt sich in Deutschland sehr dynamisch. Wurden im Jahr 2000 gerade 56.000 davon verkauft, werden es 2007 bereits mehr als 125.000 Fahrzeuge sein." Bis zum Jahr 2009 könnte die Zahl auf 206.000 Fahrzeuge wachsen, der Marktanteil würde damit von nur 1,7 Prozent im Jahr 2000 auf gut 6,0 Prozent steigen.

Die Gründe für die Beliebtheit der robust wirkenden Fahrzeuge sind jedoch andere, als die naheliegenden. Es geht hier nämlich nicht um die Lust am Fahren abseits befestigter Straßen. Laut Ferdinand Dudenhöffer kommen die Kunden vielmehr aus den Reihen früherer Besitzer von Vans oder unauffälligen Fließhecklimousinen - zudem ist die Klientel eher älter. "Ein SUV signalisiert Sicherheit, bietet außerdem eine hohe Sitzposition mit einfachem Einstieg - hinzu kommt dann auch noch eine gewisse Emotionalität." Was zusammengefasst bedeutet: Ein SUV bietet all das, was Fachleute von einem Seniorenfahrzeug verlangen, versteckt diese Tatsache jedoch geschickt hinter einer mehr oder weniger abenteuerlichen Fassade.


Es geht nicht um Geländeeinsätze


Bayern-Star Franck Ribery mit dem Audi Cross-Coupe.


Die Hersteller haben den Trend ebenfalls erkannt und bedienen ihn mit einer Reihe von Neuheiten, die zur IAA gezeigt werden oder in den kommenden Jahren auf die Straßen kommen. So hat Volkswagen in Wolfsburg bereits die Premiere des Tiguan auf der IAA angekündigt. Das Auto basiert auf der Technik der Golf-Familie und soll nach der Messevorstellung auch bald bei den Händlern stehen. Dass es auch bei diesem Auto nicht vorrangig um Geländeeinsätze geht, zeigt ein technisches Detail: Als erster Geländewagen überhaupt soll der Tiguan die aus dem Kompaktvan Touran bekannte Einparkhilfe bekommen.

Da es im Volkswagen-Konzern nicht unüblich ist, Techniken und Ideen zu teilen, steht auch bei Audi eine weitere SUV-Premiere bevor. "In der zweiten Jahreshälfte 2008 wird der Audi Q5 erscheinen", sagt Audi-Sprecher Jochen Grüten in Ingolstadt. Der gilt als kompakte Alternative zum größeren Audi-SUV Q7 und wird wohl auf der Basis des Tiguan aufbauen.

Möglicherweise wird dieses Modell aber nicht das einzige kompaktere SUV-Modell von Audi bleiben. Mit der Studie Cross Coupé hat das Unternehmen bereits die Idee einer Mischung aus Geländefahrzeug und Coupé präsentiert. Laut Jochen Grüten wurde das Einzelstück positiv aufgenommen, mittlerweile gebe es zumindest Überlegungen für ein Serienfahrzeug in dieser Richtung.

Die Mischung aus Coupé und SUV hat es auch den BMW-Designern in München angetan. BMW-Sprecher Andreas Lampka bestätigt den Bau eines X6 genannten Modells, das die Grundzüge des X5 mit der Silhouette eines Coupés vereint. Die Markteinführung ist für 2008 geplant.

Das Gros der Neuerscheinungen leistet sich jedoch keine solchen Extravaganzen bei der Karosseriegestaltung und wird vielmehr dem Wunsch nach der Kombination aus Raum-Nutzwert und robuster Optik gerecht.


Als Spritfresser verschrien


Hassobjekt der Umweltschützer, Statussymbol für Menschen mit dickerem Geldbeutel - der Porsche Cayenne.


So will auch Mercedes im Segment der kompakteren SUVs mitmischen: Aus Stuttgart kam jüngst die Ankündigung eines Modells mit der Bezeichnung GLK. Es soll etwa 4,50 Meter lang werden, technische Komponenten der C-Klasse nutzen und in der zweiten Hälfte des Jahres 2008 erscheinen. Während der Mercedes jedoch erst im kommenden Jahr erstmals gezeigt wird, will Ford den neuen kompakten Geländewagen Kuga schon auf der IAA präsentieren. Die Markteinführung ist für das Frühjahr 2008 angekündigt. Noch in diesem Jahr will dagegen Mazda den CX-7 an den Start bringen. Wirklich neu ist das 4,70 Meter lange Auto allerdings nicht - in den USA wird es seit etwa einem Jahr verkauft.

Lange gewartet haben die französischen Autobauer mit ihrem Start im SUV-Segment. Nun sollen die technisch nahezu identischen Modelle von Citroën und Peugeot noch im Herbst an den Start geben. Unterschiede zwischen dem Peugeot 4007 und dem C-Crosser von Citroën gibt es in erster Linie beim Design. Auch bei den Einstiegspreisen wollen sich die Marken abgrenzen: Peugeot hat angekündigt, den 4007 ab 29.590 Euro anzubieten, Citroën will bei 33.590 Euro starten.

Auch wenn Käufer von SUVs derzeit gerne über die Verbrauchswerte ihrer Fahrzeuge schweigen, ist der Kraftstoffkonsum zumindest bei den Technikern ein Thema. So ging Porsche in Stuttgart im Sommer in die Offensive, um dem Image des als Spritfressers verschrienen Cayenne etwas Gutes zu tun. Bis zum Ende des Jahrzehnts soll das Sport-SUV auch mit einem Hybrid-Antrieb angeboten werden - irgendwann könnte die CO2-Debatte den SUV-Fahrern ja doch noch die Kauflaune verderben. (dpa/gem)

Heiko Haupt, dpa



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Freitag, 07. September 2007, 09.30 Uhr Artikel versenden Artikel drucken

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