Autohersteller im Spagat zwischen "grün und sexy"

Die Klimadiskussion wird die IAA bestimmen. "Das Auto der Zukunft muss grün und sexy sein", sagt Autoexperte Willi Diez. Die Autohersteller müssen diesen Spagat meistern. Gewinner der aktuellen Situation könnten die Kunden sein.

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Messeplakat der diesjährigen IAA: Sehen, was morgen bewegt.


Stuttgart. "Das Auto der Zukunft muss grün und sexy sein." Was der schwäbische Autoexperte Willi Diez als Trend für die nächsten Jahre beschreibt, wird für die Autohersteller auf der IAA zu einer Gratwanderung werden. Die Klimadiskussion mit der geforderten Reduzierung des CO2-Ausstoßes überstrahlt die Automesse. Auf der anderen Seite wollen die Autohersteller mit ihren Fahrzeugen Fahrspaß und Luxus auf vier Rädern präsentieren. Mit neuen Hybridvarianten wie der Start-Stopp-Funktion sowie saubereren Dieselmotoren und Elektroautos versuchen Hersteller und Zulieferer, diesem Spagat gerecht zu werden.

Gewinner werden nach Einschätzung von Automobil-Professor Diez vom Institut für Automobilwirtschaft in Geislingen die Autokäufer sein: Zum einen seien viele der umweltfreundlicheren Autos bereits serienreif. Außerdem bemühten sich die führenden Autobauer wie DaimlerChrysler, Porsche, BMW und VW und Audi immer mehr, auch ihre auf Höchstleistung getrimmten Spitzenmodelle sowie die sportlichen Geländewagen (SUV) mit einem Öko-Image zu versehen.


Verbrennungsmotor hat nicht ausgedient


Ferdinand Dudenhöffer: "Bei der Weiterentwicklung der Dieselmotoren ist man noch lange nicht am Ende."


Einig sind sich Hersteller, Zulieferer und Experten beim Blick in die automobile Zukunft trotz des emotionalen Spannungsverhältnisses auf der Messe jedoch bei einem Trend: Der Verbrennungsmotor hat noch lange nicht ausgedient. Die Entwickler vom Stuttgarter Automobilzulieferer Bosch sehen sowohl beim Diesel als auch beim Benziner noch deutliches Entwicklungspotenzial durch Motoren mit Direkteinspritzung. Der Kraftstoffverbrauch werde auf diesem Weg verringert und damit auch der Kohlendioxidausstoß.

"Bei der Weiterentwicklung der Dieselmotoren ist man noch lange nicht am Ende", sagt auch der Autoexperte an der Fachhochschule Gelsenkirchen, Ferdinand Dudenhöffer. Durch die Direkteinspritzer- Technologie der zweiten Generation werde die Nachfrage nach Benziner aber den aktuellen Dieselaufschwung etwas stoppen. Grundsätzlich schätzen die Experten den Diesel aber wegen seines Entwicklungspotenzials und seiner Wirtschaftlichkeit weiter als Erfolgsmodell ein. VW und DaimlerChrysler haben mit ihrer Bluetec- Initiative beispielsweise ihre Kräfte gebündelt, um die immer strenger werdenden Grenzwerte der EU-Kommission beim Kohlendioxidausstoß (CO2) zu erfüllen.


"Keine Müsli-Autos"


Messegelände der IAA in Frankfurt.


Eine der tragenden Säulen der Automobilindustrie der Zukunft wird nach Einschätzung der Experten jedoch für längere Zeit die Hybridtechnik sein, die eine Kombination aus Benzin- und Elektromotor ist. Dabei rückt die Start-Stopp-Funktion, auch Micro-Hybrid genannt, in den Fokus. Bei dem System wird der Verbrennungsmotor im Stau oder an einer roten Ampel abgeschaltet und beim Tritt auf die Kupplung wieder gestartet. Spriteinsparnis von bis zu acht Prozent und eine klare CO2-Reduzierung sollen die Folge sein. Grundsätzlich ist die Hybridtechnologie derzeit jedoch noch vor allem für den Stadtverkehr ein Gewinnbringer.

"Der Hybrid ist aber nicht nur für die nahe Zukunft wichtig, sondern auch als Brückentechnologie zum Elektromotor und Vorstufe für die Brennstoffzellenforschung", sagt Automobil-Professor Dudenhöffer. Bei den Zukunftsaussichten für das Wasserstoff- und Elektroauto fällt die Erwartung aber deutlich gedämpft aus. Erst vom Jahr 2020 an könnte die Technologie für Autofahrer interessant werden, lautet die einhellige Meinung von Theoretikern und Praktikern.

Trotz aller Ausrichtung auf Umweltthemen gehen die Experten jedoch nicht von einer Trendwende in der Autoindustrie und auch auf der Frankfurter Automesse IAA aus: "Die Menschen werden beim Kauf zwar mehr auf den CO2-Ausstoß und Verbrauch schauen", betont Dudenhöffer. "Das Auto bleibt aber ein emotionales Thema. Wir werden auch in Zukunft keine Müsli-Autos bekommen." (dpa/gem)



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Dienstag, 04. September 2007, 13.00 Uhr Artikel versenden Artikel drucken

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